{"id":387,"date":"2010-04-12T15:59:10","date_gmt":"2010-04-12T13:59:10","guid":{"rendered":"https:\/\/jkm.webkonzeption.info\/?p=387"},"modified":"2013-12-12T16:02:31","modified_gmt":"2013-12-12T15:02:31","slug":"rueckblick-juedische-filmtage-muenchen-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/juedischekulturmuenchen.de\/?p=387","title":{"rendered":"R\u00fcckblick: J\u00fcdische Filmtage M\u00fcnchen 2010"},"content":{"rendered":"<p>Auch in diesem Jahr war mit Ajami wieder ein israelischer Film f\u00fcr den Oscar nominiert, auf dem Internationalen Festival der Filmhochschulen M\u00fcnchen r\u00e4umen FilmstudentInnen aus den drei israelischen Filmhochschulen regelm\u00e4\u00dfig Preise ab, Dokumentar- und Spielfilme j\u00fcdischer FilmemacherInnen genie\u00dfen weltweit hohes Ansehen, lediglich in die deutschen Kinos schaffen es nach wie vor nur wenige Produktionen. Mit den J\u00fcdischen Filmtagen, die vom 14. bis 17. M\u00e4rz 2010 zum zweiten Mal im traditionsreichen Gabriel Filmtheater M\u00fcnchen stattfanden, bot die Gesellschaft zur F\u00f6rderung j\u00fcdischer Kultur und Tradition e.V. RegisseurInnen ein Forum, ihre Filme dem deutschen Publikum vorzustellen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nF\u00fcnf Dokumentar- und drei Spielfilme, die H\u00e4lfte davon deutsche Kinopremieren,  fokussierten j\u00fcdische Lebenswelten und setzten sich mit Begriffen wie Identit\u00e4t, Verschiedenartigkeit der Kulturen und Koexistenz auseinander. Kurzfilme aus der aktuellen Produktion israelischer Filmhochschulen rundeten das reichhaltige Programm ab.<\/p>\n<p>Alle Filme wurden in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt, auf einer 48qm gro\u00dfen Leinwand und in professioneller Kinoqualit\u00e4t, die im Zeitalter von &#8218;DVD-Filmabenden&#8216; leider nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich ist. Eine Reihe von Filmemacherinnen konnte nach M\u00fcnchen kommen, sie stellten dem interessierten Publikum ihre Produktionen pers\u00f6nlich vor. Lebhafte Diskussionen mit dem Publikum nach jeder Vorstellung machten die Kinoabende damit zu einem nachhaltigen Erlebnis.<\/p>\n<p><strong>Aus dem Programm<\/strong><\/p>\n<p>Am Er\u00f6ffnungsabend, der zusammen mit dem \u00d6sterreichischen Generalkonsulat in Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg gestaltet wurde, stellte die bekannte Wiener Dokumentaristin Ruth Beckermann ihren Film Zorros Bar Mizwa als deutsche Kinopremiere vor. Sie hat vier 12-j\u00e4hrige Jugendliche in Wien bei den Vorbereitungen auf ihre Bar Mizwa bzw. Bat Mizwa begleitet. Die Kamera gleitet dabei  scheinbar zuf\u00e4llig und unbemerkt in private Sph\u00e4ren der ProtagonistInnen, zeigt ihre Familien und deren Umgang mit Religion. Im Anschluss an die Filmvorf\u00fchrung ergab sich eine lebhafte Diskussion mit der Regisseurin. Weitere M\u00f6glichkeit zum Gespr\u00e4ch gab es au\u00dferdem beim anschlie\u00dfenden Stehempfang, der als Abschluss eines bewegenden Abends gro\u00dfen Anklang fand.<\/p>\n<h6>Weltpremiere f\u00fcr zwei Hochschulfilme<\/h6>\n<p>Am letzten Tag erlebten zwei Abschlussfilme von Studentinnen der HFF Hochschule f\u00fcr Fernsehen und Film M\u00fcnchen ihre Weltpremiere, in deren Mittelpunkt die Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte der Autorinnen steht.<\/p>\n<p>Julia Tal, in der Schweiz geborene und lebende Dokumentarfilmerin, begibt sich mit ihrem beeindruckenden Film Der kleine Zalam [Looking for Walter] zusammen mit Coautorin Despina Grammatikopulu auf eine Zeitreise nach Israel.<br \/>\nAls Hitler 1933 an die Macht kam, war es f\u00fcr ihren Gro\u00dfvater Walter Kristeller in Berlin zu Ende. Er packte seine Film- und Fotoapparate und machte sich auf den Weg nach Pal\u00e4stina. W\u00e4hrend viele seiner Arbeitskollegen bei der UFA Babelsberg ihr Gl\u00fcck in Amerika suchten, verk\u00fcndete Walter \u00fcberraschend, er werde dorthin gehen, wo er als Jude hingeh\u00f6re. 75 Jahre sp\u00e4ter machte sich Julia Tal am Ende ihres Studiums auf die Suche nach dem Werk des Gro\u00dfvaters. Mit Hilfe erhaltener Dokumente und Zeitzeugen folgte sie der Spur seiner Filme und kam zu \u00fcberraschenden Ergebnissen: Von den Ideen der zionistischen Pioniere war nur wenig erhalten geblieben und Gro\u00dfvaters Legende erschien in einem anderen Licht. Sein Werk ist untrennbar mit der Entstehung des Staates Israel verbunden und statt mit seinen Filmen setzte sich die Filmemacherin immer st\u00e4rker mit den Konflikten auseinander, deren Urspr\u00fcnge bis in Walters Zeit zur\u00fcckreichen.<br \/>\nViele Monate hat Julia Tal daf\u00fcr in Israel, der Heimat ihres fr\u00fch verstorbenen Vaters gelebt und recherchiert. Als Tochter einer Schweizerin mit zwei P\u00e4ssen erlebt sie das Land und seine Menschen, taucht ein in eine ihr unbekannte Welt.<\/p>\n<p>\u201eAuch wenn ein Holzbalken zehn Jahre im Fluss liegt, wird er nicht zum Krokodil. In Deutschland bin ich Israelin und in Israel Deutsche. Ich bin die ewige Auswanderin. Tochter von ewigen Auswanderern, Enkelin von ewigen Auswanderern&#8230; Wo geh\u00f6re ich hin? Wohin geh\u00f6ren meine Kinder?\u201c<br \/>\nSo beschreibt sich Tom Tamar Pauer, in Israel geborene Filmemacherin, die nach Ende ihres Studiums an der Hochschule f\u00fcr Fernsehen und Film M\u00fcnchen 2004 mit ihren beiden Kindern nach Israel zur\u00fcckgekehrt ist. Ihr Vater ist Israeli, die Mutter stammt aus Franken und ist evangelisch, bei einem Arbeitseinsatz im Kibbuz haben sich beide in den 60er Jahren kennengelernt. In ihrem Abschlussfilm Ein Koffer ist kein Kinderzimmer dokumentiert Tom Pauer, kongenial begleitet von Kamerafrau Sanne Kurz aus M\u00fcnchen, ihr erstes Jahr in Israel, beschreibt einf\u00fchlsam die Situation einer Grenzg\u00e4ngerin, die sich auf der Suche nach Heimat mit vielen Fragen und Konflikten neu auseinandersetzen muss. Ein sehr pers\u00f6nlicher Dokumentarfilm \u00fcber die Zerrissenheit und das Leben zwischen zwei Fronten, mit dem letztlich nicht jeder umgehen kann. Daniel Pauer, der Sohn der Filmemacherin, hat sich nach einem Jahr entschieden, allein nach Deutschland zur\u00fcckzukehren und auf einem Internat in Bayern sein Abitur zu machen, er lebt heute als Student in M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Beide Autorinnen waren mit ihren Teams nach M\u00fcnchen gekommen und standen dem Publikum im Anschluss an die Weltpremieren ihrer Filme f\u00fcr Frgen zur Verf\u00fcgung. Und obwohl Julia Tal und Tom Tamar Pauer denkbar unterschiedliche Pers\u00f6nlichkeiten verk\u00f6rpern, wirkten die Regisseurinnen beide sehr authentisch und unterstrichen durch ihre Pr\u00e4senz bei den J\u00fcdischen Filmtagen noch einmal die Bedeutung ihrer Filme und des Festivals.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch in diesem Jahr war mit Ajami wieder ein israelischer Film f\u00fcr den Oscar nominiert, auf dem Internationalen Festival der Filmhochschulen M\u00fcnchen r\u00e4umen FilmstudentInnen aus den drei israelischen Filmhochschulen regelm\u00e4\u00dfig Preise ab, Dokumentar- und Spielfilme j\u00fcdischer FilmemacherInnen genie\u00dfen weltweit hohes Ansehen, lediglich in die deutschen Kinos schaffen es nach wie vor nur wenige Produktionen. 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