{"id":2158,"date":"2018-05-15T10:57:17","date_gmt":"2018-05-15T08:57:17","guid":{"rendered":"https:\/\/jkm.webkonzeption.info\/?p=2158"},"modified":"2018-05-16T12:44:39","modified_gmt":"2018-05-16T10:44:39","slug":"fahrt-zur-gedenkstaette-flossenbuerg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/juedischekulturmuenchen.de\/?p=2158","title":{"rendered":"Fahrt zur Gedenkst\u00e4tte Flossenb\u00fcrg"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eindr\u00fccke von Chaim Frank<br \/>\n<\/strong><br \/>\nAm 22. April 2018 lud die Gesellschaft zur F\u00f6rderung j\u00fcdischer Kultur und Tradition e.V. in Kooperation mit der Stiftung Bayerische Gedenkst\u00e4tten zu einer Tagesfahrt zur KZ-Gedenkst\u00e4tte Flossenb\u00fcrg ein.<\/p>\n<p>Es war &#8211; bei strahlendem Wetter &#8211; eine bewegende Bus-Fahrt von M\u00fcnchen nach Flossenb\u00fcrg. Nachdem der Gemeinde-Rabbiner Brodman, dessen Gattin ebenfalls teilnahm, mit dem \u201eT&#8217;filat ha-Derech\u201c (Gebet der Landreise) die Reise gesegnet hatte, konnten die Teilnehmer aus M\u00fcnchen gewiss sein, den Ausflug in sicheren H\u00e4nden zu wissen.<br \/>\n\u201eDer Mensch denkt &#8230; G&#8217;t lenkt\u201c, hei\u00dft ein bekanntes Sprichwort, aber an diesem Tag &#8218;lenkte&#8216; auch ein t\u00fcchtiger Fahrer, Herr Hoffmann, der \u00fcberdies auch noch w\u00e4hrend der Fahrt lustige Anekdoten zu berichten wusste, den vollen Bus. <\/p>\n<p>Frau Ilse Snopkowski, die den Tagesausflug organisiert hatte, informierte w\u00e4hrend der dreist\u00fcndigen Busfahrt ausf\u00fchrlich \u00fcber die Geschichte der Gedenkst\u00e4tte, in der dank des Engagements ihres Mannes, dem ehemaligen Pr\u00e4sident des Landesverbands der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, Dr. Simon Snopkowsi sel. A, seit 1994 auch eine j\u00fcdische Gedenkst\u00e4tte errichtet worden war. Sie kam in Begleitung ihres Sohnes Dr. Peter Snopkowski. Gro\u00dfer Dank gilt auch Frau Anat Rajber, die sich den ganzen Tag \u00fcber liebevoll um die Reisegruppe k\u00fcmmerte!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In der Gedenkst\u00e4tte angekommen, wurde die M\u00fcnchner Gruppe durch Herrn Peter Liszt, den Mitarbeiter der Gedenkst\u00e4tte, begr\u00fc\u00dft und \u00fcber den Verlauf der Gedenkfeier informiert.<\/p>\n<p>Im Anschluss ging man gemeinsam zum Gedenkakt in der j\u00fcdischen Gedenkst\u00e4tte, wo Frau Snopkowski eine kleine Ansprache hielt und Teilnehmer auch aus anderen Gemeinden begr\u00fc\u00dfte. Herr Rabbiner David Goldberg, von der Israelitischen Kultusgemeinde Hof, trug das \u201eEl Mole Rachamim\u201c in ergreifender Weise vor. Gemeinsam wurde auch das Kaddisch f\u00fcr die Ermordeten gebetet. Nach dem Entz\u00fcnden der Seelen-Lichter und einer Schweigeminute kam es zu einem unvergesslichen Moment, als ein hochbetagter j\u00fcdischer \u00dcberlebender das Wort ergriff. In feinem Jiddisch berichtete er \u00fcber seine Erlebnisse im KZ Flossenb\u00fcrg und ermahnte die Teilnehmer eindringlich, stets die Gedanken an und die Liebe zu Israel als einzige Heimst\u00e4tte der Juden wach zu halten.   <\/p>\n<p>Gegen Mittag gab es einen Imbiss, bei dem es neben erfrischenden Getr\u00e4nken auch ein feines vegetarisches Buffet gab.<\/p>\n<p>Nach der St\u00e4rkung besuchte die Gruppe die st\u00e4ndige Ausstellung der Gedenkst\u00e4tte in Begleitung von Herrn Peter Liszt, der zu den gezeigten Objekten des Museums erkl\u00e4rende Informationen lieferte.<\/p>\n<p>Im Anschluss daran nahmen die Teilnehmer die f\u00fcr sie reservierten Pl\u00e4tze im Veranstaltungszelt ein, und um 14 Uhr begann die Gedenkfeier zum 73. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenb\u00fcrg, welche mit einer Fanfare durch die Ehrenkompanie der polnischen Armee er\u00f6ffnet wurde.<\/p>\n<p>Danach sprach Dr. J\u00f6rg Skriebeleit, der Leiter der KZ-Gedenkst\u00e4tte Flossenb\u00fcrg, die Begr\u00fc\u00dfungsworte. \u201eEs gibt keinen \u00dcberdruss an der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus, sondern ein ungebrochenes, ja sogar deutlich ansteigendes Interesse.\u201c, sagte er und hob in seiner Rede u.a. auch das gro\u00dfe Engagement der Gedenkarbeit der Jugend hervor. Nach ihm traten die Vertreter der Internationalen Jugendbegegnung ans Mikrophon und berichteten jeweils in ihrer Muttersprache \u00fcber ihre Eindr\u00fccke.<br \/>\nKarl Freller, der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkst\u00e4tten, erinnerte in seiner Rede an die schrecklichen Greueltaten der Nazis und an das uns\u00e4gliche Leid der hier inhaftierten und ermordeten Menschen.<br \/>\nDen H\u00f6hepunkt der Gedenk-Veranstaltung bildete die aussagekr\u00e4ftige Rede des neuen Ministerpr\u00e4sidenten des Freistaats Bayern, Dr. Markus S\u00f6der. \u201eWir werden den Standort Flossenb\u00fcrg und die Gedenkst\u00e4tte weiterentwickeln\u201c, versprach S\u00f6der zum Abschluss seiner Ansprache.<br \/>\nErgreifend waren die Worte von Helen Albert und Sarah Champness, der aus USA angereisten Tochter und Enkelin von Oscar Albert, einem 2012 verstorbenen \u00dcberlebenden dieses KZs.<\/p>\n<p>\u201eMein Vater sprach niemals \u00fcber den Krieg und wir, seine Kinder, dr\u00e4ngten ihn auch nicht dazu.\u201c, sagte Helen Albert, und das war bei etlichen Familien der anwesenden Zuh\u00f6rer bestimmt ebenfalls so. Die Tochter erz\u00e4hlte, dass sie erst kurz vor dem Tod des Vaters eine Schachtel mit Dokumenten entdeckte, in denen sein Leidensweg durch f\u00fcnf Lager und der Todesmarsch auf dem Weg zum sechsten, dem KZ Dachau, dokumentiert wurden. Mit bewegter Stimme mahnte sie: \u201eC&#8217;est le devoir de m\u00e9moire \u2013 Es ist unsere Pflicht zu erinnern. Chovar Lizchor \u2013 wir m\u00fcssen uns erinnern&#8230;.\u201c<br \/>\nAuch Sarah Champness, die nach ihrer Mutter das Wort ergriff, schloss ihre Rede mit: \u201eWir alle tragen die Verantwortung daf\u00fcr, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Ich habe mich dieser Aufgabe verschrieben, damit die Welt die Namen meines Gro\u00dfvaters, meiner Gro\u00dfmutter, meiner Urgro\u00dfeltern, Gro\u00dfonkeln und Gro\u00dftanten nicht vergisst. Sie sollen nicht umsonst, ohne Sinn verstorben sein.\u201c<\/p>\n<p>Die Gedenkfeier wurde durch das Weidener Blechbl\u00e4ser-Ensemble musikalisch umrahmt.<\/p>\n<p>Im Anschluss begaben sich die Anwesenden zur Kranzniederlegung am Platz der Nationen, zu der 15 ehemalige H\u00e4ftlinge aus Polen, der Ukraine, Italien, Belgien, Israel, Slowenien, \u00d6sterreich, Deutschland, Tschechien, Gro\u00dfbritannien, USA und Schweden anreisten, viele von ihnen in Begleitung ihrer Kinder und Enkelkinder.<br \/>\nJugendliche Angeh\u00f6rige, die den feierlichen Trauerzug anf\u00fchrten, trugen die Kr\u00e4nze, die seit dem Vormittag vor den Fahnen der hier inhaftierten Nationen aufgereiht standen, hinunter ins Gel\u00e4nde des so genannten \u201eTal des Todes\u201c und legten sie auf die einzelnen Gedenkplatten. W\u00e4hrend des ganzen Trauerzugs ert\u00f6nten rhythmische Trommelwirbel der Ehrenkompanie der polnischen Armee, die mit dem Taps, dem amerikanischen Trompetensignal, endeten.<br \/>\nAm Ende des feierlichen Gedenkakts rief Dr. Leon Weintraub, einer der \u00dcberlebenden alle zu einer Schweigeminute auf, nachdem alle W\u00fcrdentr\u00e4ger, Angeh\u00f6rigen der amerikanischen und auch der polnischen Armee sowie alle anderen Teilnehmer die an diesem Gedenktag unten am Platz der Nationen angekommen waren.<\/p>\n<p>Die Begegnung mit den vielen Jugendlichen an solchen Gedenktagen macht Mut und Hoffnung und verweist auf die unvergesslichen Worte von Max Mannheimer: \u201eIhr seid nicht schuld an dem, was war, aber verantwortlich daf\u00fcr, dass es nicht mehr geschieht.\u201c<\/p>\n<p>Tief bewegt ging man wieder zur\u00fcck, hinauf in Richtung Appellplatz, auf halber H\u00f6he vorbei am Denkmal der j\u00fcdischen Opfer, an welchem zwei Blumenkr\u00e4nze lagen. Der eine oder die andere verweilte in stiller Andacht vor der j\u00fcdischen Gedenkst\u00e4tte des Lagers, vor der seitlich unbeschriftete Grabsteine stehen.<\/p>\n<p>Um 16.00 Uhr trat die M\u00fcnchner Gruppe die R\u00fcckfahrt an, und alle bewunderten die gro\u00dfe Energie von Frau Snopkowski, die trotz ihres hohen Alters die Strapazen des Tages eisern durchhielt.<br \/>\nAlle Teilnehmer und Teilnehmerinnen, sowohl j\u00fcdische als auch nichtj\u00fcdische, waren von dieser Tagesreise beeindruckt. Auch wenn es die Zeit nicht mehr zulie\u00df, die Synagoge von Flo\u00df zu besichtigen, so war es der allgemeine Wunsch der Gruppe, in naher Zukunft gemeinsam weitere Fahrten, vor allem zu den bayrischen \u201eSchtetls\u201c zu machen, um die zum Teil fast unbekannte Geschichte des Landjudentums kennen zu lernen.<\/p>\n<p>Jedenfalls ist es der Gesellschaft zur F\u00f6rderung j\u00fcdischer Kultur und Tradition e.V. und insbesondere deren Ehrenpr\u00e4sidentin, Frau Ilse Ruth Snopkowski, zu verdanken, dass diese Tagesfahrt \u00fcberhaupt zustande kam.<\/p>\n<p>Chaim Frank<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eindr\u00fccke von Chaim Frank Am 22. April 2018 lud die Gesellschaft zur F\u00f6rderung j\u00fcdischer Kultur und Tradition e.V. in Kooperation mit der Stiftung Bayerische Gedenkst\u00e4tten zu einer Tagesfahrt zur KZ-Gedenkst\u00e4tte Flossenb\u00fcrg ein. 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