Rückblick auf die 26. Jüdische Kulturtage München 17.-27.11.2012

Gleich das Eröffnungskonzert in Erinnerung an Raoul Wallenberg, ausgeführt vom Orchester Jakobsplatz München, bot eine Überraschung insofern als die deutsche Erstaufführung der Komposition „Transformation of Memory“, einen äußerst gelungenen Weg aufzeigte, wie man Musik in Verbindung mit Videoprojektionen und live Aussagen zu einem eindrucksvollen Medium der Erinnerungskultur gestalten kann. Der Komponist Hendrik Strindberg, der eigens aus Schweden eingereist war, freute sich über die Begeisterung des applaudierenden Publikums. Auch der Thementag mit dem Spielfilm von Istvan Szabo „Ein Hauch von Sonnenschein“ und dem Dokumentarfilm von Klaus Dexel „Der Fall Raoul Wallenberg“ mit anschließender Podiumsdiskussion zogen ein interessiertes und dankbares Publikum an.

Einen bewegenden Eindruck hinterließ der Liederabend „Bluer than Blue“, eine Koproduktion des Berliner Klarinettisten Christian Dawid und der polnischen Sängerin Urszula Makosz, die zu Recht zu Hause in Krakau die jüdische Stimme Polens genannt wird. Aus der Schweiz war die dortige Nummer Eins der Klezmerbands, das Baitjaffe Schönhaus Klezmer Orchestra, gekommen, das in der vollbesetzten Black Box das Publikum mit seinen virtuosen Klängen zu stürmischer Begeisterung hinriss. Das David Krakauer Madness Orchestra aus den USA gab sein einziges Konzert in Deutschland im Rahmen einer Europatournee im Carl-Orff-Saal des Gasteigs. David Krakauer, einer der profiliertesten Klezmer Klarinettisten der Gegenwart, machte seinem Ruf Ehre und unterstrich einmal mehr sein Können. Mit seinen Musikern und dem Sampler Keepalive vermittelte er ein Crossover Konzert vom Feinsten.

Jiddisch Freunde freuten sich über den hochinteressanten Vortrag zum Jiddischen Kino von Catherine Michel und über die One-Woman-Show „Hello Malkele“, das Molly-Picon-Musical der Wiener Sängerin und Burgschauspielerin Caroline Koczan.

In der vollbesetzten Rotunde des Münchner Stadtarchivs begeisterte sich das Publikum für die Neuerscheinung des Buches von Ittai Tamari. Der im Oldenbourg neu erschienene Band bietet anhand von zahlreichen wunderschönen Illustrationen aus Hebraica-Schätzen der Bayerischen Staatsbibliothek eine Einführung in jüdische Tradition und Kultur. Zu diesem Thema hielt der bekannte Rabbiner Dr. Henry Brandt einen Vortrag.

Mit einer virtuellen Präsentation des in Warschau im Aufbau befindlichen Museums der Geschichte der polnischen Juden fand diese überaus vielfältige Veranstaltungsreihe ihren Abschluss.

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